„Schalom Deutschland“ – Jüdisches Leben heute

Wie vielfältig ist jüdisches Leben in Deutschland? Wie entstehen antisemitische Vorurteile – und was können wir ihnen entgegensetzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 bei einem Projekttag unter dem Titel „Schalom Deutschland – Jüdisches Leben heute“.

Bereits im letzten Schuljahr hatte sich der Fachbereich Religion der Biebertalschule unter Leitung von Frau Yvonne Bott für diesen Workshop beworben. Die Biebertalschule ist eine der wenigen Schulen, die schließlich ausgewählt wurden. Der etwa sechs Unterrichtsstunden umfassende Workshop wurde im Rahmen eines bundesweiten Projekts der Deutschen Gesellschaft e. V. mit Sitz in Berlin durchgeführt. Referentin Enny Korte gestaltete den Tag mit abwechslungsreichen und interaktiven Methoden. Ziel war es, den Jugendlichen ein differenziertes Bild von der Vielfalt jüdischen Lebens zu vermitteln und deutlich zu machen, dass dieses ein selbstverständlicher Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft ist.

Zum Einstieg näherten sich die Schülerinnen und Schüler dem Thema unter anderem mithilfe eines Quizformats. Dabei wurde nicht nur die Bedeutung jüdischen Lebens in Deutschland sichtbar, sondern auch herausgearbeitet, warum die Auseinandersetzung mit Antisemitismus weiterhin notwendig ist.

Den Kern des Projekttages bildete ein Stationenlernen zu jüdischer Geschichte, Religion und Kultur. Die Jugendlichen konnten ihr Wissen erweitern und sich mit unterschiedlichen Facetten jüdischen Lebens auseinandersetzen. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den Bezügen zur eigenen Lebenswelt sowie kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Diese wurden nicht nur benannt, sondern gemeinsam besprochen und reflektiert.

Im weiteren Verlauf des Workshops standen aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus im Mittelpunkt. Anhand konkreter Fallbeispiele untersuchten die Schülerinnen und Schüler unter anderem, wie Stereotype und Vorurteile entstehen und verbreitet werden. Gemeinsam wurde erarbeitet, wie man solchen Äußerungen angemessen und verantwortungsvoll begegnen kann. Eine Feedback- und Abschlussrunde beendete den Projekttag.

Der Workshop knüpfte unmittelbar an den Religionsunterricht an. Dort beschäftigen sich die Klassen mit dem Thema „Juden und Christen – eine leidvolle Beziehung“. Neben der historischen Entwicklung dieser Beziehung richtet sich der Blick auch auf die Gegenwart: auf gegenseitige Wahrnehmungen, fortbestehende Vorurteile und die Verantwortung für ein respektvolles Miteinander.

Zugleich setzte der Projekttag wichtige Impulse für den Geschichtsunterricht. Im Frühjahr werden die Klassen die Gedenkstätte Buchenwald besuchen. Der Workshop trägt dazu bei, diesen Besuch vorzubereiten und Erinnerungsarbeit mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Fragen zu verbinden. Denn die Beschäftigung mit Geschichte bedeutet auch, Ausgrenzung heute wahrzunehmen, Vorurteilen zu widersprechen und Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen.

Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ setzen wir uns für ein Schulklima ein, das von Respekt, Offenheit und Vielfalt geprägt ist. Der Projekttag machte deutlich: Jüdisches Leben darf nicht ausschließlich aus der Perspektive von Verfolgung und Antisemitismus betrachtet werden. Ebenso wichtig ist es, seine religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt kennenzulernen und als lebendigen Teil Deutschlands wahrzunehmen.

Wir danken der Referentin und der Deutschen Gesellschaft e. V. für die informative Gestaltung des Workshops sowie den Schülerinnen und Schülern für ihre interessierte und engagierte Teilnahme.